© Andreas Blauert

Die Instrumente der Stadtkirche

Vier Instrumente, vier Jahrhunderte Musik: eine große Orgel auf der Empore, eine Truhenorgel für den Chorraum, ein Flügel mit Geschichte und ein Cembalo. Was in der Stadtkirche erklingt, reicht von Barockkantate bis Jazzkonzert.

Die Hauptorgel

Seit 1961 steht sie auf der Empore, gebaut von der Firma Bosch aus Sandershausen. Sie hat Vorgängerinnen: Seit 1600 sind fünf Orgeln in der Stadtkirche bezeugt. Von der Chororgel der Nachkriegszeit ist nur der Prospekt geblieben — er steht heute in einem Turmzimmer.

Ihr ursprünglicher Klang war der ihrer Zeit: neobarock, hell, obertonreich. 2006 machte eine Sanierung durch die Firma Rensch sie grundtöniger und weicher; ein Schwellwerk und eine Setzeranlage waren schon damals im Gespräch, scheiterten aber am Geld.

2025 war es dann so weit. Das Oberwerk wurde zum Schwellwerk ausgebaut, die Elektrik komplett erneuert, eine Setzeranlage mit 100.000 Kombinationen eingebaut, die Disposition erweitert — und vor allem das vorhandene Pfeifenwerk neu intoniert. Das Ergebnis: ein Instrument, das transparent zeichnen und zugleich sinfonisch malen kann. Weicher und voluminöser als vorher.

Dass das möglich wurde, verdanken wir der Hans-und-Dorrit-Michel-Stiftung, der Merck'schen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst und vielen Spenderinnen, Spendern und Pfeifenpatinnen und -paten.

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Die Klop-Truhenorgel

Klein, fahrbar, warm im Ton: Die Truhenorgel des niederländischen Orgelbauers Henk Klop gehört seit 2012 zur Stadtkirche. Ihre Pfeifen sind vollständig aus Holz — daher der weiche, tragfähige Klang.

Ihr eigentliches Talent ist die Beweglichkeit, im Raum wie in der Stimmung: Alle gängigen historischen Stimmungen lassen sich in kurzer Zeit anlegen, die Grundtonhöhe per Transponiervorrichtung zwischen 415, 440 und 465 Hz wechseln (430 Hz ebenfalls möglich). Damit ist sie der ideale Partner für Alte Musik — auch außerhalb der Stadtkirche.

Der Ibach-Flügel

Dieser Flügel hat schon einmal jemandem gehört, den Darmstadt kennt: Hans Drewanz, langjähriger Generalmusikdirektor der Stadt. 2021 konnte die Gemeinde ihn aus seinem Nachlass erwerben — ermöglicht durch eine Spende des Freundeskreises der Darmstädter Kantorei e.V., überarbeitet dank einer Spende des Rotary-Clubs Darmstadt-Bergstraße.

Der Semi-Konzertflügel „Modell Richard Strauss", 215 Zentimeter lang, klingt weich und singend und hat sich als ideal für den Kirchenraum erwiesen. Er ist in klassischen Konzerten zu hören, in den Jazz-Reihen und in Gottesdiensten — solistisch und als Begleitinstrument für Chöre, Solistinnen und Gemeinde. Dass er ausgerechnet hier gelandet ist, passt: Die Kirchenmusik der Stadtkirche war dem Ehepaar Drewanz lange verbunden.

Das Sassmann-Cembalo

Seit 2023 ergänzt ein zweimanualiges Cembalo aus der Werkstatt Sassmann das Instrumentarium — in den 1990er-Jahren gebaut, nach flämischem Vorbild der Ruckers-Tradition. Transportabel und gemacht für die Begleitung von Barockmusik.

Technische Daten aller Instrumente (ausklappbar)
Hauptorgel: Bosch, Sandershausen, 1961 · ursprünglich 49 Register in Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk und Pedal · Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch · Überarbeitung durch die Erbauerfirma in den 1980er-Jahren · Sanierung, Reinigung und Neuintonation 2006 (Rensch, Lauffen/Neckar): höherer Winddruck, korrigierte Aufschnitte, neue Traktur, vorgezogene Windladen · Modernisierung 2025: Schwellwerk, neue Elektrik, Setzeranlage mit 100.000 Kombinationen, erweiterte Disposition, Neu- und Nachintonation
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