- Über uns
- Angebote
- Kirchorte
- Kultur
- Kontakt
© Stadtkirchengemeinde
Der Chorraum ist der älteste Teil der Stadtkirche — und der einzige, der die Bombennacht 1944 nahezu unbeschadet überstanden hat. Wer heute hier steht, sieht dieselben Steine, dieselben Gewölberippen, dieselben Gesichter aus Alabaster wie ein Darmstädter vor vierhundert Jahren.
Das Landgrafen-Epitaph
An der Ostseite füllt ein Grabmal die Wand fast bis zur Decke: das Landgrafen-Epitaph, 1589 fertiggestellt. Landgraf Georg I. ließ es für seine zwei Jahre zuvor gestorbene erste Frau errichten, Magdalena von Lippe.
Zwei Bildtafeln erzählen die Familiengeschichte als Glaubensgeschichte. Unten knien die Eltern mit ihren zehn Kindern links und rechts vom Kreuz Jesu. Oben ziehen die vier Kinder, die 1589 bereits gestorben waren, gemeinsam mit ihrer Mutter in den Himmel ein. Ringsum: die Wappen beider Ahnenlinien und gereimte Verse, die Glauben und Großmut des Paares rühmen.
Ein Kind mit Lorbeerkranz
Gleich daneben, an der Nordwand, liegt das Grabmal des Erbprinzen Philipp, des ersten Sohnes von Georg und Magdalena. Das Kind wurde nur wenige Wochen alt. Auf dem Relief trägt es einen Lorbeerkranz — das Zeichen des Siegers. Die Inschrift spricht von der ewigen Freude, an der der Prinz nun teilhat, und fordert die Lesenden auf, sich den eigenen Tod vor Augen zu halten und auf ein ebenso seliges Ende zu hoffen.
An den übrigen Chorwänden hängen weitere Grab- und Erinnerungstafeln. Zusammen zeigen sie, wie selbstverständlich der Tod damals zum Leben gehörte — nicht als Ende, sondern als Durchgang.
Zwei Schlusssteine, zwei Geschichten
Über all dem spannt sich ein spätgotisches Netzrippengewölbe, das den Krieg fast unversehrt überstand. Im Westen sitzt ein Schlussstein mit einer Mariendarstellung — der letzte Zeuge der Marienkapelle, aus der die Stadtkirche hervorging.
Der Stein ganz im Osten zeigt etwas Ungewöhnliches: den Auferstandenen mit vor der Brust gekreuzten Armen. In den Händen, die noch die Wundmale tragen, hält er Rute und Geißel — die Werkzeuge seiner Folter, deren Macht nun gebrochen ist. Ein Bild zu Offenbarung 2,10: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben."
→ Der Chorraum ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich. Bei der Stadtkirchenführung erfahren Sie mehr.
→ Auch das Nagelkreuz von Coventry hat hier seinen Platz.